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UNTER EIS 13/14 März in Sevilla 18/19 März Grenada 20/21 Mai in Berlin Schaubühne



UNTER EIS - von Falk Richter
Wir haben Visionen, und wir können diese Visionen Realität werden lassen, wir kennen die Sachlage, und wir wollen handeln. Also lasst uns dieses große Projekt, das vor uns steht - und ich rede hier von nichts Geringerem als davon, das neue Jahrtausend fit zu machen, dem Orkan des globalisierten Weltmarktes standzuhalten - lasst uns dieses Projekt gemeinsam angehen, jeder nach seinen Möglichkeiten, jeder dort, wo er gebraucht wird, wir alle sind ein großes Team, die Arbeit kann beginnen, eine andere Welt ist möglich, wir schaffen sie.






Unter Eis

von

Falk Richter

© S. Fischer Verlag 2004

Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das der Aufführung durch Berufs- und Laienbühnen, des öffentlichen Vortrags, der Verfilmung und Übertragung durch Rundfunk, Fernsehen und andere audiovisuelle Medien, auch einzelner Abschnitte. Das Recht der Aufführung ist nur von der

S. Fischer Verlag GmbH
THEATER & MEDIEN
Leitung: Uwe B. Carstensen
Hedderichstraße 114
60596 Frankfurt am Main
Tel. 069/6062-273
Fax 069/6062-355

zu erwerben. Den Bühnen und Vereinen gegenüber als Manuskript ge-druckt. Dieses Exemplar kann, wenn es nicht als Aufführungsmaterial erworben wird, nur kurzfristig zur Ansicht entliehen werden.

Dieser Text/diese Übersetzung gilt bis zum Tage der Uraufführung/ Deutschsprachigen Erstaufführung als nicht veröffentlicht im Sinne des Urhebergesetzes. Es ist nicht gestattet, vor diesem Zeitpunkt das Werk oder einzelne Teile daraus zu beschreiben oder seinen Inhalt in sonstiger Weise öffentlich mitzuteilen oder sich mit ihm öffentlich auseinander zu setzen. Der Verlag behält sich vor, gegen ungenehmigte Veröffentlichungen gerichtliche Maßnahmen einleiten zu lassen.


Figuren

PAUL NIEMAND, ein Berater zwischen 40 und 50

KARL SONNENSCHEIN, ein Berater, etwa 35 Jahre alt

AURELIUS GLASENAPP, ein Berater, etwa 28 Jahre alt

Ein KIND – ein Junge, etwa 9 bis 13 Jahre alt



Raum

Ein großer, anonymer Konferenzsaal. Die Figuren sitzen hinter einem großen, langen Tisch an Mikrofonen wie bei einer Pressekonferenz oder bei einem Team-Meeting. Alles erweckt den Eindruck, als sei dies ihr Lebensraum, sie kommen hier nicht heraus, sie haben sich hier permanent eingerichtet.


Mein Dank geht an den Berliner Filmemacher Marc Bauder und seinen hervorragenden Dokumentarfilm „Grow Or Go“, der eine große Inspirationsquelle für die Beratergespräche in meinem Stück und die Fachsprache meiner Figuren darstellt.




1
PAUL NIEMAND – AM ANDEREN ENDE WAR DER HIMMEL

PAUL NIEMAND
Am anderen Ende war der Himmel, der stürzte gegen den Horizont.
Hier war ich mit meinem Kopf, der viel zu schwer war.
Dazwischen lag das Feld.
Also rannte ich los.
Ich rannte und rannte.
Ich wollte am anderen Ende gegen den Himmel stürzen.
Ich wollte in einem Meer aus Molekülen schwimmen.
Alles sollte sich teilen und mir den Weg bereiten.
Ich schrie der Sonne entgegen.

Aber die hörte mich nicht.
Die Sonne hörte mich nicht.
Das Universum schwieg.
Das Universum hatte noch nicht bemerkt, dass ich da war.

Aber ich war da, ich war da, oder?

Ich war ein kleiner Junge unter der Sonne,
und ich redete in tausend Stimmen,
denn keiner wollte mit mir zusammensein,
keiner wollte mit mir spielen.
Also war ICH all diese Menschen, die ich brauchte, um zu überleben.
Ich war nicht mehr allein, ich war die ganze Welt, alles, was ich brauchte,
und ich sprach zu mir, und ich kämpfte mit mir,
und ich war alle Menschen und alle Gedanken,
ich war alles!

Startende und landende Maschinen hinter dem Haus:
Die Landebahn,
Tag und Nacht,
Tag und Nacht das Geräusch.
Alles vibrierte,
alles ganz dunkel,
dunkle Holzvertäfelung,
dunkle Wände, kein Lichteinfall,
eine Durchreiche zwischen Küche und offenem Wohnzimmer, eine Mikrowelle, Tiefkühlkost, meine Mutter, mein Vater, Fertighausbau,
es war immer dunkel,
die hatten einfach vergessen, genug Fenster einzubauen,
irgendwo in der Dunkelheit meine Mutter, meine Schwester, mein Vater, undeutlich, kaum zu erkennen,
meine Mutter stolpert in den Keller zur Tiefkühltruhe, holt etwas heraus, legt es in die Mikrowelle, drückt eine Taste, schaut auf die sich langsam drehende Scheibe, wartet, pling, stellt es auf den Tisch und verschwindet wieder in der Dunkelheit,
ich schaute aus der Tür, da war ein kleines Guckloch eingebaut, und sah meinen Vater gegenüber auf der Landebahn, nervös, ängstlich auf dem kleinen Flugplatz,
er musste die Flugzeuge zur Landebahn lotsen, aber jedes Mal, wenn sie sich näherten, wurde er nervös, hektisch, er vergaß alles, er war einfach nicht gut, er konnte das nicht, er hatte das mal gelernt, aber inzwischen alles wieder vergessen, und schon auf der Lotsenschule war er einer der Schlechtesten, er war der Schlechteste, er irrte sich in den Zeichen, machte falsche Handbewegungen – die Flugzeuge schlugen jedes Mal mit einem lauten Crashsound auf, manchmal crashten sie auch in die Büsche und fingen Feuer oder landeten auf der falschen Bahn, mein Vater lächelte verlegen, ängstlich, er wollte hier weg, aber er wusste nicht wohin, dies war ein Ort, an dem niemand sein wollte, niemand verirrte sich hierher,
er war froh, dass nur selten ein Flugzeug auf der Landebahn zerschellte, hier war es immer dunkel, und immer kalt,
die fanden niemanden, der seinen Job erledigen wollte, er musste zur Nachschulung, fast jeden Monat für ein paar Tage, aber es half nichts, er hatte Angst vor den Maschinen, Angst vor dem Motorengeräusch, er hielt sich jedes Mal die Ohren zu, wenn eine Maschine landete,
wenn sie über seinen Kopf raste, schloss er die Augen und summte leise vor sich hin.


Festgefroren unter Eis
Schnee
Kalt
Kalt kalt kalt Eis Eis Eis
Alles liegt unter Eis, nichts bewegt sich, alles steht still Kälteschock Kaltgefroren Tiefgefroren Tiefkühlkost kalt kalt alles liegt unter Eis
begraben, begraben unter Eis, tiefe Eisdecke, tiefe, tiefe Eisdecke
kalt Kälte dunkel lautes krachendes Eis
brich ein brich endlich ein!

Ich schlug die Türe zu hinter dem Himmel hinter der Sonne dem Feld dem Universum
Ich war so weit gelaufen dass ich irgendwo aufschlug
Ich hörte einen Sturz
Ich hörte mich fallen und etwas in mir zerbrach

Ein lautes Geräusch, plötzlich mein Herz riss, und ich hörte es reißen.
Dann öffnete sich eine Tür: Ich war angekommen: Die Welt war in Teilen!

Dieses Reißen, dachte ich,
dieses Geräusch,
nachts, wenn alle schlafen,
nur ich wach liege
und mein Herz höre, wie es zerreißt, langsam, schreckliches Geräusch,
und diese wirre Mutter und dieser wirre Vater,
diese ängstlichen, einsamen Menschen, diese wirren, unsicheren Menschen,
die durch ihr Leben irren,
unsicher, kraftlos,
fallen, wieder aufstehen, fallen, wieder aufstehen, sich nicht weiterbewegen,
die sehen mich nicht,
die hören mich nicht,
die sind festgefroren UNTER EIS
die haben nur einen Sohn geboren, weil man das halt so macht,
die lieben mich nicht, und deshalb werde ich immer rennen und laufen und suchen und schauen und stürzen und fallen und zerbrechen und schreien.

Ich erinnere mich an lange Spaziergänge durch den tiefgefrorenen Wald, vorher hatten wir ferngesehen, und meine Eltern erzählten sich gegenseitig, was sie dort beide gesehen hatten,
sie spulten die Bilder noch einmal ab,
sie erzählten einfach noch einmal das wieder, was wir alle zuvor gesehen hatten.
Jedes Bild bekam einen Satz,
die Zeit fror fest, wir kamen nicht voran, unser Denken stand still,
festgefroren kalt kalt tiefgefroren Stillstand.

Ich fiel zurück, wollte alleine gehen, ich genoss den Moment, wo meine Eltern am Horizont verschwanden, ich war allein, endlich,

dann wurde es dunkel und groß und kalt und weit: Alles grau, November, ich allein, um mich herum: der Rest der Welt! Dieser Moment friert fest. In mir. Seitdem.

Meine Eltern auf einem zugeeisten See, hinter ihnen startende und landende Flugzeuge,

langsam lief ich zurück an ihre Seite,

es war denen gar nicht aufgefallen, dass ich nicht dagewesen war: Das war denen gar nicht aufgefallen, die redeten einfach weiter,

wenn ich abwesend bin, bemerkt mich keiner.

Das Universum interessiert sich nicht für mich!
Das Universum hat noch nicht einmal bemerkt, dass es mich gibt!

„Es gibt mich nicht! Es gibt mich nicht! Ich bin ja gar nicht hier!“, rief es immer in meinem Kopf in der Nacht,

und die anderen hörten mich nicht,
hörten nicht, wie ich durchs Haus lief,
nachts,
die Treppen rauf- und runterlief,
immer wieder,
rauf und runter,
bis ich zusammenbrach,
wieder aufstand,
weiterlief,
rauf und runter,
immer lauter,
stolperte,
fiel,
mich auf die Küchenfliesen warf,
den Kopf gegen den Boden schlug,
stundenlang,
das hörten die nicht,
das wollten die nicht hören,
HÖRT IHR MICH HÖRT MICH DENN HIER KEINER alles schlief,
alles schlief,
die wollten mich nicht hören,

die hatten Angst, Angst vor mir,

meine kleine farblose Schwester,
meine wirre düstere Mutter,
mein schrecklich abwesender Vater,
schlaft ruhig, schlaft doch,
dann lebe ich dieses Leben eben ALLEIN,
dann bin ich eben OHNE EUCH auf dieser Welt.

Ist da jemand? Hallo! Hallo! Ist da jemand? Hört mich hier wer?

Rufe wie unter Eis,
alles friert ein,
meine Worte frieren ein, während ich sie spreche,
die Zeit friert ein, während ich sie lebe, sie wegzuleben versuche, sie bleibt stehen, die Stunden ähneln sich, sie schreiten nicht voran, sie frieren fest, und hier liege ich, im Eis, ich komme nicht weiter.
Paul Niemand, zu alt für einen Neuanfang, zu jung, um sich schon aufzugeben,
in ein paar Jahren ist das alles vorbei,
in ein paar Jahren bin ich einer dieser Männer, die diese schlabbernden Cordhosen tragen und dummes Zeug reden im Hausflur, während sie den Müll raustragen, denen niemand mehr zuhört, weil es sowieso egal ist, was die sagen, denen alle immer zustimmen und jaja sagen und weitergehen,
einer dieser Männer, die auch nicht wirklich stören, weil es egal ist, ob sie da sind oder nicht da sind, weil es gar keinem so richtig auffällt, und denen es selbst auch egal ist, wo genau sie rumstehen und stehen gelassen werden, die das gar nicht mehr so merken, weil sie mehr damit beschäftigt sind, wie sie ihre Rentnerhose über die Hüften bis zum Bauchnabel ziehen können ICH WILL DASS MICH HIER JEMAND HÖRT, ich muss hier raus, ich muss hier sofort weg, stolperte und fiel, Gate 1, Gate 2, die Treppe, rauf und runter, im Hause meiner Eltern, stolperte, fiel, wieder aufstand.

Ist da jemand? Hallo! Hallo! Ist da jemand? Hört mich hier wer?

Und diese Rufe und dieses Laufen und dieses Hetzen und Stürzen und Fallen, das fand ich später wieder, auf den Flughäfen in den Lounges in den Kontrollräumen, als ich durchgecheckt und geprüft und geröntgt und ABGEFERTIGT wurde und weiterflog und suchte und ankam und gleich weiter musste

- Mr Nobody, please come forward for immediate boarding

Nein, ich bleib hier sitzen

- Paul Niemand, bitte, wir rufen Paul Niemand

Ich bewege mich nicht

- Mr Nobody, please proceed to Gate 17

Sollen die nur alle warten,

- We are paging Paul Niemand
- paging passenger Paul Niemand

lief durchs Haus und öffnete die Türe zum Zimmer meiner Eltern und sah sie schlafen
und ging ganz nah ran und schaute in ihre Gesichter, schaute in die Gesichter meiner Eltern

Nichts
Kein Gefühl
Gar nichts
Nichts

und dachte das, was ich immer denke, wenn ich den Blick riskiere in die geöffneten Augen eines anderen Menschen:

Du existierst für mich nicht, du interessierst mich nicht.

Meine Mutter öffnet ihre Augen, wir schauen uns an

- Mr Nobody, please come forward now
we are waiting for you
we need you to take off

Wer sind diese Menschen?
Was wollen die von mir?
Habe ich die alle erfunden?
Sind die schon tot?

Ich schaue die an, und ich erkenne nichts, nicht mich, nicht jemand anderes, keine Welt, keinen Gedanken, kein Gefühl, keinen Menschen,
es ist mir egal, ob die leben oder nicht, leben die?, ich weiß es nicht, keine Ahnung, interessiert mich auch nicht, niemand, nichts

- this is your last call

- we are paging passenger Paul Niemand

am Flughafen gehe ich immer als Letzter ans Gate, ich mag diesen Moment, wenn alle auf mich warten müssen, ich genieße diesen Moment, wenn über alle Lautsprechern mein Name erklingt

PAUL NIEMAND
PAUL NIEMAND

und neben mir diese Männer, die langsam nervös werden, weil sie zu spät kommen werden,

PAUL NIEMAND
PAUL NIEMAND

weil sie alle Angst haben,

CALLING PAUL NIEMAND

ganz langsam bewege ich mich Richtung Gate, Gate 1, Gate 2, Gate 3, Gate 4, dreh mich noch mal um, schaue noch eine Weile in die Schaufenster, Gate 5, Gate 6, Gate 7, die warten auf mich, das weiß ich, ist viel zu aufwändig, meinen Koffer wieder auszuladen, Gate 8, Gate 9, Gate 10, jetzt kehr ich noch mal um, jetzt setz ich mich wieder hin

PAUL NIEMAND
PAUL NIEMAND BITTE ZU GATE 17

die werden alle zu spät kommen,
ich laufe nicht mehr,
wenn ich abwesend bin, bemerkt mich jeder.

2
CORE VALUES

KARL SONNENSCHEIN Risiko akzeptieren

AURELIUS GLASENAPP Möglichkeiten schaffen

KARL SONNENSCHEIN Kreatives Denken zur Verfügung stellen

AURELIUS GLASENAPP Chancen, die der Markt bietet, zu Kapital machen

KARL SONNENSCHEIN Mit einer Vision für die Zukunft die anderen inspirieren

AURELIUS GLASENAPP Motivation demonstrieren, neue Aufgaben übernehmen, neue Fähigkeiten erlernen

KARL SONNENSCHEIN Selbst auf die eigene Exzellenz in allen Dingen insistieren

AURELIUS GLASENAPP Ein Beispiel sein für alle Teammitglieder

KARL SONNENSCHEIN Ständig danach bestrebt sein, die Arbeitsbedingungen zu verbessern, die Produkte, Dienstleistungen, den eigenen Arbeitsanspruch

AURELIUS GLASENAPP Zeit als höchstes Gut ansehen

KARL SONNENSCHEIN Der Zeit anderer mit Sensibilität begegnen

AURELIUS GLASENAPP Angemessenes, straffes, konstruktives Feedback unaufgefordert jederzeit an das Team weitergeben

KARL SONNENSCHEIN Informationen niemals zurückhalten

AURELIUS GLASENAPP Sätze so strukturieren, dass beim Gegenüber Begeisterung aufflammt

PAUL NIEMAND Wir hatten diesen Wertekatalog,
den klebte meine Mutter Zuhause an den Kühlschrank,
und jedes Mal, wenn ich mir da was rausholen wollte, musste ich einmal laut und deutlich diese Werte runterbeten –
die gehen da jetzt nicht mehr raus, die sind da drin und immer, wenn ich irgendwo auf dieser Welt in irgendeiner Wohnung in irgendeinem Hotelzimmer den Kühlschrank aufmache, denke ich.

KARL SONNENSCHEIN Machen Sie den Kunden zum Helden seiner ganz persönlichen Erfolgsstory

AURELIUS GLASENAPP Seien Sie kreativ, strukturieren Sie Ihre Sätze so, dass der Kunde wissen will, wie die Story weitergeht. Beratung bedeutet auch Abenteuer, bedeutet Spannung, bedeutet neue Chancen, bedeutet, ein neues Lebensgefühl für den Kunden.

KARL SONNENSCHEIN Vergessen Sie nie: Der Kunde ist der Patient, Sie sind der Arzt, wenn Sie keine Lösung wissen, sagen Sie etwas, das nach Lösung klingt, legen Sie sich ein zwei Standardkonzepte zurecht, die immer greifen, bleiben Sie spontan.

AURELIUS GLASENAPP Beratung bedeutet Heilung, bedeutet, noch mal neu anfangen können, bedeutet wow, bedeutet, jetzt geht’s los.

KARL SONNENSCHEIN Allen Anforderungen jederzeit neu und offen gegenübertreten

AURELIUS GLASENAPP Sich weiterbilden

KARL SONNENSCHEIN Niemals stehen bleiben

AURELIUS GLASENAPP Allen Entwicklungen des Marktes aufgeschlossen und innovativ gegenübertreten

KARL SONNENSCHEIN Den Markt als engsten Partner und Vertrauten lieben lernen

AURELIUS GLASENAPP Du musst das, was dich kaputtmacht, letztlich als Partner begreifen, es hilft dir

KARL SONNENSCHEIN Es hilft dir, dich zurechtzufinden in einem System, das du ohnehin niemals begreifen wirst

AURELIUS GLASENAPP Offen sein für neue Informationen

KARL SONNENSCHEIN Offen sein für neue Aufgaben

AURELIUS GLASENAPP Die eigenen Grenzen ständig verschieben

KARL SONNENSCHEIN Lösungen anbieten, bevor die Problemstellung formuliert werden kann

AURELIUS GLASENAPP Niemals stehen bleiben, niemals zurückschauen, sich freimachen von Werten, die sich nicht den Anforderungen des Marktes anpassen können.

KARL SONNENSCHEIN Als erfolgreicher Partner / Manager schafft man es, die wichtigen Leute beim Klienten für einen zu gewinnen. Dazu braucht man eine ganz interessante Mischung aus Intelligenz, Ausstrahlung und Selbstsicherheit. Idealerweise glaubt der Klient, dass der Berater sein smarter Freund ist, der viel schlauer und schneller als er selbst die Lage im Griff hat. Dazu beeindruckt man den Klienten gelegentlich mit ein paar akrobatischen Kopfrechnungsstücken, ausgefallenen Problemlösungen und so weiter. Gleichzeitig darf der Klient den Berater nicht als arrogant empfinden. So dass man den Klienten hin und wieder mal stolz von seinem letzten Golftrip erzählen lässt, ohne jedoch dabei Zweifel entstehen zu lassen, dass man natürlich weiß, was Sache ist.

AURELIUS GLASENAPP Der Klient muss denken, ein echt schlauer Typ, kennt sich in allem aus und ist auch noch sympathisch.


3
KÖNIG DER LÖWEN

PAUL NIEMAND Bei OUTSOURCE UNLIMITED, der ersten Firma, bei der ich mich bewarb, gab es in der BOOTCAMP Phase – also der Trainingseinheit für die neuen Rekruten - den sogenannten „Newies“ nach einer Anzahl von Interviews, Case Studies und Outdoor-activities, wo wir mit verbundenen Augen ein tragbares Office in einer Flughafenlounge installieren mussten, ein großes Abschlussessen mit allen Mitarbeitern der Firma und den einzelnen Kohorten der „Newies“, und alle sollten auf Wunsch der Firmenleitung Highlights aus dem Musical KÖNIG DER LÖWEN vorspielen, singen und tanzen.

Ich wollte nicht,
ich wollte das nicht,
mir war das peinlich,

aber bei solchen Veranstaltungen wurden wir auf Teamgeist und Personal Effectiveness geprüft, und da wurden Sympathiepunkte vergeben –
wenn du da nicht mitmachst oder nicht richtig witzig bist, kommst du einfach nicht in die nächste Runde,
oder du bekommst als nächstes ein Projekt, das qualitativ unter dem steht, was du eigentlich erhofft hattest, als Strafe sozusagen, als Vorwarnung,
heißt, du wirst dann nach Dresden oder Dortmund geschickt, obwohl du eigentlich für London oder Tokio vorgesehen warst –
Betty aus der Buchhaltung, die eigentlich Barbara hieß, spielte eine Giraffe und ich war ein Rhinozeros, das von drei Hyänen aus dem Finance Control Team niedergerissen wurde –
Afrika war Weite und Seele,
in Afrika ist der Mensch noch richtig Mensch und mit der Natur aufs Innerlichste verbunden, davon mussten wir ein Duett singen, während wir beide starben,
dabei kamen wir uns näher, wir liefen betrunken nach Hause, Hand in Hand, stolperten, lagen am Boden, küssten uns kurz, liefen weiter,
vor meinem Appartementkomplex klappte sie zusammen und kotzte in den Kanal,
ich hatte noch meinen Rhinozerospanzer umgebunden und stand über sie gebeugt und lachte, sie machte meine Hose auf und holte meinen Schwanz raus, dann kippte sie plötzlich nach hinten weg und schlief ein,
ich starrte sie an, starrte auf den Kanal,
kalt,
es fing an zu schneien,
Stille,
plötzlich ging ein Fenster auf, ich hörte Schreie,
ein Mann und eine Frau in einem heftigen Streit,
plötzlich fliegt eine Katze aus dem Fenster,
der Mann hält die Katze am Schwanz gepackt und schleudert sie im hohen Bogen auf den Kanal, die Katze streckt alle Viere von sich,
Angst in ihrem Gesicht,
versucht, sich abzufangen, aber findet keinen Halt, keinen Halt im freien Fall,
es ist so kalt draußen, es schneit, es friert, alles verlangsamt sich,
die Katze schaut mich an, als suche sie Hilfe, ich schaue zurück,
ich kann dir nicht helfen, mir geht’s doch genauso,
und sie fliegt panisch in Richtung der langsam zufrierenden Wasseroberfläche des Kanals, schlägt auf und friert wenige Zentimeter unter der Oberfläche mit dem Ausdruck größten Entsetzens, der panischsten Angst und Verzweiflung ein und bleibt liegen, zuckt noch ein paar Minuten oder Stunden, ich weiß es nicht, und stirbt,
ich schaue wie gebannt auf die Katze, und sie friert fest, friert fest in ihrer Todesangst,
ich stehe da, packe meinen Schwanz wieder ein, den hatte ich völlig vergessen und gehe nach oben in mein Appartement,
kalt, ich schalte den Fernseher ein,
Applaus.

Ich fiel in Schlaf,
Betty blieb am Kanal,
unter einer der Überwachungskameras,
die das Firmengelände,
auf dem auch die Appartementblocks untergebracht waren, weiträumig kontrollierten,
wir wurden beide am nächsten Tag gebeten, uns außerhalb der Firma nach einem Betätigungsfeld umzusehen,
unser Afrikaduett hatte nicht überzeugt, die Firmenleitung meinte, man hätte eindeutig einen ironisierenden Unterton in unserer Darbietung erkennen können, und das wäre nicht wirklich das Ziel:
Ironie ist nicht das Ziel, sorry, und wir hätten ja auch üben können, zumindest heimlich, außerdem hatten sie die Videos, wo wir besoffen am Kanal liegen und vergeblich versuchten, Sex zu haben, und dabei fast erfroren, noch in der Nacht selbst ausgewertet – Personal Effectiveness zero Prozent


4
BERATERGESPRÄCH 1 - KLARER REJECT

KARL SONNENSCHEIN Ähm auf der analytischen Dimension hast du mir eine zu geringe Struktur aufgesetzt. Im Gegensatz zum Lebenslauf fehlte in dem Fall die gewisse Struktur, und dadurch bist du auch ins Schwimmen geraten.
Du hast dich ein-, zweimal verrechnet, hast ein paar - Einschätzungen zu Stundenlöhnen, Mitarbeiterzahlen - Schwierigkeiten gehabt. Hast an einer Stelle, wo es kreativ darum ging, wie kann ich Mitarbeitermotivation in Bottom-line-Effekt umrechnen, keinen wirklich kreativen Ansatz gefunden. In der Summe ist das Analytische unterm Strich. Im Gegensatz dadurch fand ich dich in Punkto Personal Effectiveness sehr gut. Du kommst sehr mature rüber. Du redest sehr klar, sehr offen.
Man hat auch nicht das Gefühl, dass du etwas vor einem verbirgst.
Du kommst geradeaus, nett klar rüber. Den einzigen Punkt... den ich da so hab, ich hab den Biss vermisst, den Angriff, dass du so richtig durchgehst durch das Thema. Das wäre auch letztlich die Dimension, die ich da hab auf dem Personality Fit, du bist mir ein bisschen zu solide, aber nicht im Angriffsmode so richtig bissig. Die Frage, inwieweit du den Entrepreneurial Spirit verkörperst, kann ich nicht so richtig beantworten. Dass du es zwar sagst, ich seh es aber noch nicht in deinen Aktionen und in deinem Lebenslauf.
In Summe habe ich dich mit 40 Prozent beurteilt und dich unterhalb der Schwelle gesehen.

AURELIUS GLASENAPP Ich hab primär ne Case Study gemacht in den Interviews über Industriekonsolidierung. Du bist da auf der analytischen Seite recht gut durchgegangen. Für jemand, der BWL studiert, normal durchgegangen. Auf der strukturellen Seite hatte ich das Gefühl, dass du nicht immer die Fragestellung vollständig durchdrungen hattest.
Was mit fehlte, war die letzte Curiosity, die Neugier. Was treibt hier, was treibt hier den Erfolg, woran liegt es, dass einige Unternehmen erfolgreicher sind als andere. Da hätte ich mehr erwartet von jemandem, der eigentlich tief gehen muss, da hast du nicht Biss gezeigt.
Auf der Kommunikationsseite gebe ich dir vollkommen Recht, er ist sehr eloquent, spricht auch sehr sicher Englisch. Allerdings vermittelt er nicht den Eindruck, als wolle er mit Nachhalt auf den Grund des Problems kommen.
Beim Thema Pressure Handling – wenn man dich unter Druck setzt - würde ich sagen, da kommst du ganz gut mit klar, aber du ignorierst ihn auch. Man kann dich nicht wirklich stacheln.
Insgesamt von der Persönlichkeit her ähm konnte ich nicht ausmachen, ob du eine wirkliche unternehmerische Denke hast. Das liegt daran, dass du nicht mit dem letzten Biss vorgehst und eine gewisse Risikoaversness in den Gesprächen hast. Wenn jemand wirklich in den Genen hat, dass er Unternehmer ist, würde er da wahrscheinlich noch stärker vorwärts gehen, um das Thema zu durchdringen.
Von daher ein guter Eindruck, reicht für mich aber nicht. Ich hab ihm 45 Prozent gegeben und würde daher sagen, dass wir ihn rejecten sollten.

PAUL NIEMAND Bei mir bestehen die selben Fragezeichen – insbesondere auf der analytischen Seite: „Strukturierungsvermögen mit Schwachstellen und logische Argumentationskette mit tiefgehenden Argumenten in Fallstudie“ kamen nur zum Teil. Und daher sehe ich mich trotz der Personal Effectiveness, die ich mitbringe, sehe ich mich drunter mit 45 Prozent und würde so auch letztlich das Feedback aufbauen, dass ich mir diese Sachen mit auf den Weg gebe, damit ich mich darauf konzentrieren kann, in meinem Reife- und Karriereprozess.

KARL SONNENSCHEIN Du musst zeigen, dass du bis zum Grund des Problems gehen willst. Mit nem notwendigen Enthusiasmus, der Neugierigkeit. Du musst unzufrieden sein, das Adrenalin muss steigen, du musst die optimale Lösung finden. Und das heißt: Langanhaltender Wettbewerbsvorteil für den Kunden, der Kunde muss an dich glauben.

AURELIUS GLASENAPP Thema Tool-Box. Drei bis vier Standardkonzepte abrufbereit im Hinterkopf haben, um erste drei bis vier Minuten zu überstehen und eine saubere Struktur im Hinterkopf zu haben. Es hätte dir sicherlich geholfen, wenn du gemerkt hättest, das ist ein Thema, da geht es auf der einen Seite um Kosten und auf der anderen Seite um Umsatz.

KARL SONNENSCHEIN Dass wir ihm aber sagen dass er ne klare Stärke hat, im Bereich Personal Effectiveness. Du kommst halt gut rüber... das noch mit zwei Tassen Espresso, Jump Started dann wird es richtig gut.


5
ES GEHT IMMER DARUM, EINEN SCHRITT WEITERZUGEHEN

KARL SONNENSCHEIN Es geht immer darum, einen Schritt weiterzugehen, und Stillstand ist Rückschritt, weil die anderen bleiben ja nicht unbedingt still stehen, sondern die anderen bewegen sich ja auch weiter.

AURELIUS GLASENAPP Es hat sehr viel mit Wollen zu tun und ist das in die Genetik eingebaut – hoffentlich. Es geht darum: ist es ein reflektierter Mensch, ist Substanz vorhanden, wie geht jemand in Teamsituationen um, wie meistert jemand Krisen und wie lernfähig ist eigentlich ein Mensch.

PAUL NIEMAND Heute bin ich beim Einkaufen in die Tiefkühltruhe gefallen und zwei Stunden darin liegen geblieben,
das war angenehm,
hat mich an Zuhause erinnert,
konnt ich endlich mal ne Minute schlafen.

KARL SONNENSCHEIN Don’t confuse your audience with too much information, have a concept, make the client the hero of your narration.

AURELIUS GLASENAPP Sie müssen sich vorstellen, Sie sind auf einem Fluss, wo sich alles ständig bewegt, und wenn ich da stehen bleibe, dann treibt alles andere an mir vorbei. Der Fluss fließt weiter, und ich muss mich einfach weiter mit bewegen, sonst falle ich hinter die Entwicklung, auch den Fortschritt in der Welt einfach zurück. Die Technologie entwickelt sich weiter, es gibt neue Konzepte, neue Ansätze, die Menschen entwickeln sich weiter, das Leben von Freunden entwickelt sich weiter, die Kinder werden groß, und wenn man selber stehen bleibt, dann verliert man die irgendwie.

PAUL NIEMAND
Mein Auto habe ich irgendwo geparkt, und ich weiß nicht mehr wo,
das steht da irgendwo, irgendwo ohne mich, das steht da jetzt irgendwo festgefroren im Eis und friert, das fährt da jetzt rum ohne mich, sucht einen Parkplatz ohne mich, im Schnee, ich suche das jeden Morgen und find das nicht mehr, ich kann mich nicht mehr erinnern, wo ich das abgestellt habe, das steht da jetzt, was macht das da?,
was macht das da jetzt ohne mich?, ganz allein?,
was macht das da?
Mir ist kalt,
meinen Wintermantel habe ich auch irgendwo liegengelassen in irgendeinem Hotel in irgendeinem Büro bei irgend einem Meeting, ich kann mich nicht mehr erinnern, der hängt da jetzt irgendwo, hängt da jetzt ohne mich, hängt da jetzt irgendwo rum, ganz allein, ohne mich, mein Auto auch, mein Wintermantel, mein Auto, mein Wintermantel, mir ist kalt, ich find die nicht mehr,
das sind so die ersten Aussetzer,
ich kann mich nicht mehr konzentrieren,
wo ist das? was macht das da? das fährt herum ohne mich, sucht einen Parkplatz, sucht und sucht und findet keinen, fährt herum ohne mich, sucht irgend etwas und findet es nicht,
alles weg, alles bewegt sich weg von mir, alles weg, alle weg, ich find das alles nicht nicht mehr, nichts, niemand,
jetzt sind hier nur noch der Fernseher und das Aquarium,
ein einzelner Fisch und in dem Aquarium ist nichts weiter als ein paar Steine und eine verschlafene Pflanze, die es auch nicht mehr lange macht, das einzige Geschenk zu meinem Geburtstag: Ein suizidaler Fisch in einem leeren Wasserglas, der ist so einsam, der fällt bald tot um.

KARL SONNENSCHEIN Strategie bedeutet, nachhaltige Wettbewerbsvorteile zu erzielen, das heißt, eine Position zu erarbeiten, gegenüber dem Wettbewerb, die neuartig ist, die anders ist und die einen Vorteil auf Dauer verspricht. Wenn dieser Vorteil irgendwann einmal abschmilzt, dann heißt es, sich einen neuen zu erarbeiten und auch zu verteidigen.

AURELIUS GLASENAPP Um das zu tun, um dabei ein Unternehmen zu beraten, solche Strategien entwickeln zu können, braucht man ein ganz besonderes Profil:

KARL SONNENSCHEIN Eine sehr analytisch fundierte Kompetenz

AURELIUS GLASENAPP Sich in immer wieder neue und sehr komplexe Fragestellungen mit zum Teil sehr unvollständigen Informationen einzuarbeiten

KARL SONNENSCHEIN Internationalität spielt eine wesentliche Rolle

AURELIUS GLASENAPP Praktika

KARL SONNENSCHEIN Zielstrebigkeit im Aufbau des eigenen Lebensweges

AURELIUS GLASENAPP Und natürlich auch die Fähigkeit, mit Menschen sehr gut umzugehen

KARL SONNENSCHEIN Sie vor allem zu verstehen

AURELIUS GLASENAPP Das heißt, nicht nur die Sachlage

KARL SONNENSCHEIN Sondern die Person, die persönliche Motivation und das politische Umfeld eines Unternehmens, um gemeinsam mit Kundenteams an Problemlösungen und Umsetzungen zu arbeiten

AURELIUS GLASENAPP Das heißt aber auch – Punkt zurück zum Thema Wettbewerbsvorteile – dass man in der Lage sein muss, eine Fragestellung immer wieder aus anderen Perspektiven zu beleuchten

KARL SONNENSCHEIN Das könnte man unter dem Begriff von Kreativität zusammenfassen

AURELIUS GLASENAPP Das hat aber auch sehr viel mit dem Phänomen geistiger Flexibilität zu tun

KARL SONNENSCHEIN Ich sag mal kundenorientiert, nicht meinungsorientiert – facts facts facts and zero opinions, das ist Ihre Lebensversicherung

PAUL NIEMAND
Hallo! hört mich hier jemand?
Ich bin zu leise

oder bin ich hier einfach falsch abgegeben worden?

Die einzige Weihnachtspost, die ich in diesem Jahr in meinem Briefkasten fand, war von meinem Finanzberater, Tom, sonst war alles leer,
der hatte sich richtig Mühe gegeben und etwas gebastelt, alles per Hand geschrieben und sogar noch was gemalt mit unterschiedlichen Buntstiften,
ein friedvolles Weihnachtsfest und ein gesundes, kreatives, erfolgreiches und erfülltes Jahr 2004 wünscht dir, Tom,
gesund, kreativ, erfolgreich und erfüllt, der ist wohl übergeschnappt,
der will mein Geld für seine scheißwertlosen Medienfonds, die schon mehr als die Hälfte meiner Ersparnisse aufgefressen haben, das Schwein,
der einzige, der an mich denkt, ist dieses Aktienschwein, das malt mir Weihnachtskarten und schickt Gebasteltes

PAUL NIEMAND BITTE PASSENGER PAUL NIEMAND
WE ARE PAGING PASSENGER PAUL NIEMAND

Gate 11, Gate 12, Gate 13,
sollen die mich ruhig ausrufen,
die werden sich nicht freuen, wenn ich mein Ziel erreiche,
ich habe hier die Listen mit den Namen, und die bringe ich zu der Filiale, die morgen geschlossen werden soll,
Gate 14, Gate 15, Gate 16,
die warten alle darauf, dass ich einsteige,
die wissen noch nicht, dass sie morgen alle weg sind, die laufen hier noch alle lustig durch die Businesslounge und sammeln Bonusmeilen, die sitzen da mit ihren Laptops und arbeiten Konzepte aus, wie sie ihre Firma noch effektiver gestalten können, alles Leute, die sich alle gegenseitig schärfstens kontrollieren und in flachen Hierarchien daran arbeiteten, soviel Menschen wie möglich auf die Straße zu setzen, um danach gegenseitig übereinander herzufallen und sich gegenseitig wegzurationalisieren, bis niemand mehr da ist, die Firma praktisch ohne Mitarbeiter läuft, alles delegiert, alles outsourct und nur noch der Geschäftsführer selbst irgendwo ein paar Emails an seine Partnerbetriebe schreibt, der Aktienindex ins Unermessliche steigt, und die Aktienhalter, meist Rentner, die sich in Florida zur Ruhe gelassen haben, ihre Aktien gewinnträchtig abwerfen, noch ein zwei Häuser mehr kaufen und anschließend den Betrieb stilllegen lassen, da er in seiner Gewinnspanne nicht mehr steigerungsfähig ist.

Morgen seid ihr weg
alle

Ich habe hier die Listen mit euren Namen, da steht ihr alle drauf,

alles Ressourcen, die überflüssig geworden sind.
Es gibt Menschen, die keiner mehr braucht.
Und es gibt Länder, die keiner mehr braucht, es gibt ganze Kontinente, die keiner mehr braucht. Afrika zum Beispiel – das brauchen wir nicht mehr, das brauchen wir nur noch als Kulisse für unsere Musicals. Und die Menschen, die wir nicht brauchen, die können wir ja in die Fernsehshows karren, da können die sitzen und klatschen den ganzen Tag, da haben die wenigstens was zu tun.

AURELIUS GLASENAPP Letztlich sind wir ja Berater, und wir vertreten „die reine Lehre“, wir vertreten die ökonomische Logik. Faktenorientiert, nicht meinungsorientiert. Wir sammeln Informationen. Machen Vorschläge. Die Entscheidungen fällt immer noch die Geschäftsleitung unserer Klienten. Die Entscheidungen fällen nicht wir. Warum sind manche Unternehmen erfolgreicher als andere? Wir müssen Leute freisetzen, manchmal geht das nicht anders. Ist das ein Problem? Wenn wir die nicht freisetzen würden, würde in Kürze vielleicht das gesamte Unternehmen Pleite gehen, und dann wären alle raus, da wäre denen auch nicht geholfen. Letztlich profitiert die gesamte Gesellschaft von unserer Arbeit, denn wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es allen gut, das ist wissenschaftlich erwiesen. Wir müssen entlassen, das kommt letztlich allen zugute.

PAUL NIEMAND
In der Schule, da hatten wir so ein Spiel, es wurden zwei Mannschaften gewählt, und einer musste sich ins Tor stellen, und dann schossen alle wie blöde aufs Tor, du gehst ins Tor, nein ich will nicht, du gehst ins Tor, los, halt dein Maul und stell dich da rein, einen traf es immer, und dann ohne Ende Schüsse direkt in die Fresse, stundenlang, keiner gab sich überhaupt noch Mühe, Tore zu erzielen, die schossen alle immer direkt dem Torwart auf die Fresse, sogar der Trainer schoss dem direkt in die Fresse, Ihre Reaktionsgeschwindigkeit lässt zu wünschen übrig, schneller, mein Freund, schneller, Ihre Leistung reicht nicht, schneller...





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KARL SONNENSCHEIN – EINE ANDERE WELT IST MÖGLICH

KARL SONNENSCHEIN Also da gibt es einen ganz ausgefeilten Bewertungs- und Beurteilungs- und Feedbackprozess, denn wir gehen davon aus, dass unsere Mitarbeiter sich ständig weiterentwickeln wollen und müssen, und das findet so statt, dass es für jeden Berater vier Mentoren gibt, die seine Arbeit überwachen und ihm mit Rat und Tat zur Seite stehen, und zwei weitere Mentoren, die verdeckten Agenten nennen wir die, seine Leistungen verdeckt überwachen, das heißt, die kennt er nicht, das könnte jeder sein, das weiß er nicht, wichtig ist uns, dass eben die Mentoren und verdeckten Agenten auch alle selbst noch tätig sind an Projekten als Berater und nur einen Teil ihrer Arbeitszeit zur Überwachung nutzen, das Netz der Mentoren und Agenten ist so komplex mittlerweile verteilt, dass ich denke, dass wir sagen können, fast jeder Mitarbeiter ist auch noch als verdeckter Agent tätig, wobei selbstverständlich absolutes Stillschweigen darüber herrschen muss, welchen Mitarbeiter er überwacht, das kann über eine Zeitspanne von sechs Wochen sein, manchmal aber auch über mehrere Jahre gehen, der verdeckte Agent reicht seine Erkenntnisse über den überwachten Mitarbeiter dann in einem formalisierten geheimen Dossier an den Mentor weiter, der dann die einzelnen Punkte mit dem Berater durchspricht und entsprechende Trainings und Nachschulungen vorschlägt, wie er sich auf seine Schwachstellen konzentrieren kann und seine Performance verbessert, im seltenen Fall kann er sich auch direkt an die Firmenleitung wenden und diese, wenn es angezeigt ist, alarmieren, sagen, da ist jemand, der erhöhte Aufmerksamkeit braucht, da muss sich mal ein Spezialist drum kümmern, wir erwarten von all unserer Mitarbeitern, dass sie 300prozentige Excellence bieten im Qualitätsbereich, das heißt auch, sich weiterbilden, mitgehen mit den Entwicklungen am Markt, das heißt auch, mal ungefragt ne Extraschicht einlegen, auch mal mit Lösungsvorschlägen kommen, bevor die anderen zu einem Ergebnis gekommen sind, das heißt auch, dass der ständige Drive erkennbar ist, dieser Wunsch, ich will Leistung erbringen, ich will gut sein, ich kann nicht schlafen, wenn ich nicht die optimale Lösung für meinen Kunden ermittelt habe, dieses dauernde High Speed Jump Started Durchsetzungsding, dass ich mich als Mensch zurücknehme, aber in der Sache voll auf Angriff gehe und eben bei jeder Schlacht auch zum Endziel komme, und das heißt eben: lang anhaltender Wettbewerbsvorteil für den Kunden, und wenn ich das nicht mehr erreiche, wenn ich merke, da macht sich etwas in mir breit, Müdigkeit will ich das jetzt mal nennen, der Wunsch vermehrt auftritt, zur Ruhe zu kommen, dann eben auch selbstständig die Konsequenz zu ziehen und zu sagen, ja, gut, ich seh mich jetzt nach nem anderen Betätigungsfeld um, das ist oft ab vierzig, dass da auch mal vermehrt der Wunsch auftritt, jetzt will ich mal meine Frau länger als zwei Stunden am Wochenende sehen, jetzt will ich meinen Sohn auch einmal am Nachmittag zum Fußball fahren, das merkt man dann schon, da sollte man dann sofort gehen und sich nicht unnötig zum Ballast für den Betrieb machen, bis dahin hat man dann auch bestenfalls soviel Geld verdient, dass man sich zur Ruhe setzen kann oder was weiß ich, irgendeinen entspannten Job im Staatsmanagement oder im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn oder in der Politik als Berater oder so was übernehmen kann, sollte das aber nicht der Fall sein, dass ein Mitarbeiter sich freiwillig meldet und sagt, ich kann nicht mehr, schickt mich weg, dann müssen eben da die Agenten verstärkt zum Einsatz kommen, viele Mitarbeiter tragen ja nach außen hin immer diese perfekte Maske der Effizienz, wirken gut drauf und bleiben immer als längste im Büro, alle denken, okay, ist zwar zweiundvierzig, hat aber noch alles im Griff und mit Spaß dabei, schaut man dann aber mal genauer hin, erkennt man, Abschlüsse werden schwächer, Effizienzlinie fällt rapide nach unten, und abends ist der so kaputt, der geht nicht noch zum Squash mit den anderen oder trinkt n Bier in der Hotellobby und geht schon mal die Listen für den nächsten Tag gemeinsam mit den anderen durch, der muss dann weg, viele Alte zum Beispiel sitzen nächtelang nur im Büro rum und machen gar nichts, die wollen einfach nur GESEHEN werden, die wollen, dass man sieht, aha, da sitzt der immer noch, ist schon halb drei und der sitzt da noch, aber die sitzen dann einfach da, machen nichts, driften weg, denken an ich weiß nicht was, ihre Kindheit, ihre Eltern, oder was sie jetzt mit den dreißig Jahren machen sollen, die ihnen noch bleiben, was soll man da machen, ohne Kraft und ohne Vision, die sitzen tatsächlich nur noch als ihre eigenen verblassenden Kopien aus einer besseren Zeit da, dafür haben wir die Agenten, aber, das klingt jetzt alles so brutal, ist aber letztlich im Interesse der gesamten Volkswirtschaft, sag ich mal, denn keiner hat ein Interesse daran, dass die Zahlen schlecht sind und die Unternehmen am Boden liegen, dann sag ich mal, wird letztlich zuerst bei der Kultur und bei der Gesundheit gestrichen und dann schreien auch wieder alle, und warum soll man unentwegt Leute auf Positionen lassen, wo sie im Grunde absolut nicht mehr leistungsfähig sein KÖNNEN, auch wenn sie wollten, die brauch man ja da nicht rumsitzen zu lassen und was weiß ich, nichts tun, das ist ja auch unmenschlich, aber manche sind hartnäckig, klar, die haben Angst, was tun, der Job ist ja auch ne Droge, was, wenn ich zwanzig Jahre Kokain genommen habe, und plötzlich heißt es, trink von heute an Pfefferminztee, wer macht das schon, da kommt dann die Angst, und da haben wir so Vorbereitungstrainings, wir schmeißen ältere Mitarbeiter nicht sofort raus, sondern bauen die graduell ab, das heißt ganz konkret, wir lassen denen immer weniger Verantwortung zukommen und stellen die in immer kleineren Projekten auf, das heißt, sie sind in ihrer Hochphase in New York stationiert und pendeln gleichzeitig noch zwischen Tokio und Paris, und dann baut sich das eben graduell ab, London – Berlin – Budapest – Bremen – Münster – Oldenburg – Fürstenfeldbruck – Husum - das wäre so humane Sterbehilfe, sag ich mal, also, ein Abgang in Würde – wobei spätestens wenn sie in Bremen angekommen sind, wissen sie eigentlich schon, dass sie sich langsam mal um ihre Rente kümmern müssten – oder natürlich sie kriegen noch einmal so einen Energyboost und legen voll los, das kann dann auch sein, dass jemand plötzlich auf dem Kieler Hauptbahnhof ankommt und merkt, jetzt muss ich wirklich was tun, sonst ist meine Zeit abgelaufen.

Stille.

Nachts, wenn man durch die Straßen läuft, sieht man all die Arbeitslosen, die sich irgendwo festklammern oder hinter Autos verstecken, weil sie Angst haben, dass man sie einfängt mit großen Netzen und zurück an ihre Arbeitsplätze bringt, vor denen sie immerzu weglaufen wie so schlecht erzogene Heimkinder, die ganze Stadt ist voll damit, unbewegliche, schlecht gekleidete, unsportliche, hässliche Menschen, die keinen vollständigen Satz zustandebringen und den ganzen Tag an der Currybude rumlungern und über „die da oben“ palavern und dabei Dosenbier von ALDI in sich reinkippen. Sitzen da rum und warten, dass irgendwas passiert. „Eigeninitiative? Ein Fremdwort.“
Was machen wir jetzt mit denen?
Ich habe schon viele Betriebe untersucht, in jedem Betrieb gibt es mindestens zwanzig Prozent der Angestellten, die faktisch nicht arbeiten, die zum Beispiel Zettel einfach immer wieder umsortieren oder falsch einsortieren, die Informationen gar nicht oder falsch weiterleiten, so dass unentwegt Mehraufwand entsteht. Was machen wir mit denen? Sollen wir die behalten? In jedem westlichen Land gibt es Berufe, die nur durch extrem hohe Subventionen überleben – wir brauchen die deutschen Bauern nicht, die halten wir künstlich am Leben, weil sie so eine große Lobby haben, weil keine Regierung sich traut, auszusprechen, dass das nichts weiter ist als das künstliche Am-Leben-Halten eines Komapatienten, der keine Aussicht hat, jemals wieder zu Bewusstsein zu kommen, wir brauchen auch den Steinkohleabbau nicht, den subventionieren wir mit mehr als hunderttausend Euro pro Mann pro Jahr, das Geld könnten wir den „Kumpels“ auch einfach so auszahlen, davon hätten die mehr als von dieser Fake-Arbeit, mit der sie ihre gesamte Gesundheit ruinieren und uns dann am Ende des Tages wieder als chronische Patienten auf die Bilanzen zu drücken. Vierzig Prozent aller Arbeit in Deutschland ist Simulation von Arbeit, ist Arbeit, die kein Mensch braucht, ist nur dazu da, damit niemand bemerkt, wo unsere Gesellschaft real angekommen ist. Was machen wir mit denen? Eines Tages werden die erfahren, dass alles, was sie erarbeitet haben, sofort wieder weggeschmissen wurde – das liegt da auf irgend welchen Müllbergen in Südamerika. Eines Tages wird sich dieses Subventionsprinzip auch nicht mehr aufrechterhalten lassen – wäre es da nicht sinnvoller, diese Menschen frühzeitig umzustrukturieren, dass die etwas anderes lernen, etwas, das volkswirtschaftlich Nutzen bringt? Die Politiker werden diese Probleme nicht lösen, da sie sie gar nicht angehen dürfen, die dürfen ja nicht einmal die Fakten auf den Tisch legen und die reine Sachlage beschreiben, die sind da zwischen der ständig drohenden medialen Vernichtungsmaschine und dem Wählerwohlwollen so eingeklemmt, dass sie unentwegt nur aushalten müssen, hoffen, dass sie es bis zur nächsten Wahl schaffen, von denen sind keine Reformen zu erwarten – die Konzepte liegen ja alle da, die haben wir ja alle ausgearbeitet – aber die setzt keiner um, das traut sich keiner, weil alle Angst haben, irgend jemanden zu verprellen und Wählerstimmen zu verlieren. Es wäre letztlich nicht unvernünftig, uns dieses Feld zu überlassen und uns einfach nach der reinen Lehre entscheiden zu lassen, einfach mal sachlich zu entscheiden, was gemacht werden muss, und das dann einfach zu machen, Demokratie ist schön und gut und sicherlich das höchste Ziel, und für eine intakte Gesellschaft mit einer gesunden gut funktionierenden Wirtschaft auch das beste Gesellschaftsmodell, aber momentan denke ich, sind wir durch dieses System völlig blockiert, und, ehrlich gesagt, machen wir uns nichts vor: Was genau bringt uns denn eine Demokratie, wo die Wahlkampagnen von Werbeagenturen ausgearbeitet werden, alle Kandidaten das Gleiche sagen und das Fernsehen letztlich mit seinen gefaketen Umfrageergebnissen und Hochrechnungen unentwegt in die Meinungsbildung eingreift, das Volk so verrückt macht und immer wieder mit Skandalen und falschen Berichten so in die Irre führt, dass es sich ohnehin nicht aufgrund von Fakten entscheiden kann - letztlich haben wir eine vollkommen überdrehte Mediendemokratie, in der die Stimmen vollkommen unsachlich und wahllos vergeben werden, vielleicht nach Sympathiepunkten, welcher Kandidat sieht am besten aus oder hat bei WETTEN DASS oder BIG BROTHER am besten abgeschnitten – was machen wir damit? mit diesem System? brauchen wir das? Oder wäre es da nicht besser, dieses System eine Zeitlang auszusetzen, mal Fakten und Sachlage sprechen zu lassen, ein Team von parteiübergreifenden Beratern ranzulassen, die auch nicht immer in diesem Parteigeklüngel und Interessendschungel stagnieren und aufgrund von falschen hierarchischen Strukturen immer wieder kaltgestellt werden, und die machen dann mal eine Aufstellung: Was wird gebraucht, was nicht, was muss anders werden, und dann auch konkret Vorschläge machen und endlich Strategien entwickeln, wie diese Reform- und Umstrukturierungskonzepte auch implantiert werden, das heißt, nicht erst totgeredet werden in der Presse und immer wieder revidiert werden, sondern endlich mal durchgesetzt werden und so lange in Kraft bleiben, bis auch eine Veränderung erfolgt ist – es wäre wichtig, auch die Presse mal eine Zeitlang in die Verantwortung zu nehmen, das, was wir da mittlerweile an Mediensystem haben, hat auch nichts mehr mit freier Meinung zu tun, das ist nur noch Lobbyismus und Blockadetaktik.
Wir haben Visionen, und wir können diese Visionen Realität werden lassen, wir kennen die Sachlage, und wir wollen handeln. Also lasst uns dieses große Projekt, das vor uns steht - und ich rede hier von nichts Geringerem als davon, das neue Jahrtausend fit zu machen, dem Orkan des globalisierten Weltmarktes standzuhalten - lasst uns dieses Projekt gemeinsam angehen, jeder nach seinen Möglichkeiten, jeder dort, wo er gebraucht wird, wir alle sind ein großes Team, die Arbeit kann beginnen, eine andere Welt ist möglich, wir schaffen sie.

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LONDON ABERDEEN GLOBAL

Auftritt Kind / Mr Nobody-Kopie – das Kind kommt langsam in den Raum und blättert vorsichtig in den Akten der Männer, es flüstert Zahlenreihen und Aktiendotierungen ins Mikrophon, setzt sich anschließend Paul Niemand gegenüber und hört ihm zu.

KIND Mr Nobody-Kopie flüstert in ein Mikro LONDON Aberdeen Global AMSTERDAM ABN Amro Investment Management TOKIO ACM Offshore Funds NEW YORK Activest Investment GmbH HONGKONG Adig Investment Lux FRANKFURT SA Alsa AEB Asset Management PARIS Allianz Invest KAG ROM Axa Rosenberg Management ZUERICH Baring Fund Managers SEATLLE Baring International SYDNEY BB-Invest Belgrave Capital Management SINGAPORE Carlson CDC IXIS AM CICM FUND Management Ltd Citigroup Asset Management TORONTO KAG Comgest Far East Management Comgest SA Comgest-Ofivalmo Credit Suisse AM MAILAND Lux Davis Funds Sicav Linienchart Balkenchart Kerzenchart Point & Figure Advance Decline Linie Beta Faktor Climax Indikator Momentum Chart Money Flow index Stochastics Trend Oszillator Volatilität Fundamentalanalyse

3U 31 DE0005167902 UUU 8,25 +114,3 9,25 3,66 75,2 65,97 68,00 1,1 0,20 0,76 0,87 11 9 0,7 14 (12) ADVA OPTICAL 26 DE000513006 ADV 3,10 +152,0 3,95 0,50 102,7 88,06 93,00 1,1 –0,04 0,15 0,19 21 16 12 (5) ARTICON 19 DE0005155030 AAGN 2,18 +74,4 3,30 0,92 22,4 210,54 208,90 208,97 0,1 –3,45 –0,86 –0,18 FORTEC 13 DE0005774103 FEV 32,10 +28,73 –21.34 +13,43 MEDICLIN DE0005998762 UUU 13,79 +500,23 45,33 92,34 +44,31 +23,87 KANGOL DE0003726319003 UUU 5,43 +8,23 –34,2 26,39 9,2 5,44 0,2 0,34 0,43 YAHOO-DE DE0000534452990 –232,1 –243,2 –192,32 PP SA 9,321 3,2 9,3 –3,2

ARTICON ATOSS AUGUSTA BAADER CANCOM CENTROTEC CONDOMI CONNECT CONTSANTIN DATA MODUL DEAG DIALOG EALG ZERO FREENET GESCO HEILER INIT INFOR INTERSHOP LAMBDA PHYSIK LPKF LYCOS EUROPE MACROPORE MASTERFLEX MATCHNET MAXDATA MORPHOSYS MHT OPEN OHB TECHNOLOGY PANDATEL PANKL RACING PARSYTEC PSI QSC QTS Q 50000 MIX TECJ TRANS ROFIN SINAR SANOCHEMIA SARTORIUS STEAG HAMATECH SYSWKOPLAN SYZGY TECHNOTRANS TELEGATE TELES TOMORROW FOCUS USU OPENSHOP WAVELIGHT WLS LINITED X-TRAG X-RAW X-5 X-SEVEN X-NET YAHOO YAVA-SMITH 5 YANK-ZERO YY-TT-AH ZERO F ZERO SUBLIME



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PAUL NIEMAND - ENTLASSUNGSPORNOS

PAUL NIEMAND gleichzeitig mit dem Kind in 7
Das war nicht ich, der hier morgens zur Arbeit rannte
Mein Leben floss langsam aus mir heraus
Es war irgendwo anders, nicht hier, nicht in mir.

Ich saß abends vorm Fernsehgerät und glotzte RTL oder diese Dauerwerbesendungen für Telefonsex,
ich kam nicht los von dem Zeug,
ich war mir selbst zuwider, aber ich kam nicht runter von dem Zeug,
das war wie eine Droge:
Ficken, ficken, ficken, kaufen, kaufen, kaufen,
Dominas, wilde Hausfrauen, alle wollen, dass ich sie anrufe, alle wollen Sex mit mir.
Dieses Rauschen in meinem Kopf! Ich schlief nicht, Porno Porno Porno Entlassen Entlassen Entlassen, unentwegt neue Konzepte entwickeln, wie man wen loswird,
am besten war es immer, wenn die einfach starben, wenn die Alten starben, das war das Beste,
die Alten wurde man am schwierigsten los,
die hatten ihre ganzen sozialen Rechte und den Scheiß, die alten Kranken musste man behalten, die Jungen, die was taugten, musste man rausschmeißen,
also mussten wir uns Tricks überlegen, ganze Abteilungen schließen, alle entlassen und später unter einem anderen Namen wieder eröffnen und die alle wieder einstellen bis auf die, die man eben nicht haben wollte, aber denen man nicht kündigen durfte,
Sterben war das Beste, wenn die irgendwie plötzlich tot waren, das ging immer am besten, Rationalisierungspornos, Flexibilisierungspornos, verdammte fucking Outsourcingpornos, rausgehen, Milch kaufen, Bier, Kartoffelpüree, Tüten mit Kartoffelpüree, dann Dauerwerbesendungen, Porno, die Excel-Statistiken noch mal gegenchecken,
wer könnte denn noch dran glauben,
dieser eine alte fette Typ, der mir gegenübersitzt, den hasse ich, den will ich weghaben, ich überlege schon seit Wochen, wie ich den endlich loswerde,
Tütensuppen, Tütenexistenz, Tütendepp, ich bin der Tütendepp, der Tiefkühltrottel, ich will erfrieren, ich schlief nicht, ich war immer wach, selbst im Schlaf sah ich Bilder, das ging Tage, Nächte, Wochen, zugeschüttet, zugeschüttet, schneeverweht, eingeweht, begraben, tot, ich schmeiße alle raus, jeder, der nicht unbedingt gebraucht wird, muss gehen,
und jetzt fliege ich selber raus, ich habe den Plan entwickelt, mich selbst rauszuschmeißen, wenn alle gegangen sind, gehe auch ich, und diese Firma arbeitet allein weiter, ich bin allein auf dieser Welt, und ich bin nur dazu da, dass andere verschwinden, und ich bin selbst durchsichtig, unsichtbar, keiner registriert mich, bis zu dem Moment, wo sie selbst verschwinden:
Im Augenblick ihres Verschwindens spüren sie, dass es mich gibt, und die Erde schüttelt sich leicht, denn ich habe ein Leben ausgelöscht, eine EXISTENZ rationalisiert, und die Dotierung einer Aktie steigt um 0,00000789 Prozent pro Mann, das habe ich errechnet, ICH WILL HIER RAUS!, ich will hier weg, ich muss hier raus, da schreit etwas in mir, das will weg,
und ich träume mich zurück in das Haus hinter der Landebahn, mit meinem Vater, dem Fluglotsen, der die Flugzeuge durch den Nebel lotste, dieses Geräusch, wenn der sich geirrt hatte, nicht richtig hingeschaut hatte, abwesend war, müde, dann krachte irgendwo weit hinter der Landebahn eine schwere Maschine ins Feld und geriet in Flammen, und man hörte Schreie, Explosionen, die Feuerwehr, Sirenen, Blaulicht und Menschen mussten aus den Flugkörpern herausgeschweißt werden,
bin ich schon da, bin ich schon wieder hier?,
nein, ich sitze im Flugzeug, neben mir all die Männer, die morgen alle ihre Entlassungsscheine auf dem Tisch haben werden, weil ich HEUTE NACHT NOCH die Namenslisten mit den Entlassungsvorschlägen nach DÜSSELDORF bringe, wir fliegen durch minus fünfzig Grad, und ich spüre die Kälte, diese dünne Schicht, die mich hier vor dem Erfrieren schützt, wenn wir jetzt abstürzen, ins Meer, wenn wir jetzt ins Meer stürzen, wir würden erfrieren, noch bevor wir den Boden erreichten.

Nachts, wenn ich nicht schlafen kann, schaue ich auf die erfrorene Katze im Kanal, die alle Viere von sich streckt,
festgefroren im Eis, panischer Gesichtsausdruck,
die sehe ich jede Nacht, jeden Morgen,
im Todesflug ERFROREN,
langsam festgefroren UNTER EIS, zwischen zwei Wohnsilos mit je zehntausend Einzimmerappartements,
und jeden Morgen, bevor ich die S-Bahn zur Arbeit in dieses verdammte Großraumbüro nehme, sehe ich zwanzig Minuten lang diese erfrorene Katze und denke:
„Da werde ich bald liegen, bald liege ich auch da“, und dann werde ich nichts mehr spüren, nichts, ich werde einfach nur daliegen und langsam festfrieren. Bei der nächsten Geschäftsreise werfe ich mich aus dem Fenster aus zwölftausend Meter Höhe DAS WIRD JA DANN WOHL IRGENDWIE IRGENDWER MITBEKOMMEN
wenn ich mich jetzt aufs Eis werfe, hier jetzt aus dem Fenster schmeiße und neben diese Katze lege...
Das Universum würde weiterfliegen, leer, schnell, richtungslos aufs Ende zu.

Ich schaue jeden Morgen auf diese Katze, ich erinnere mich an ihren Flug, ihr Blick, in dem Moment, als sie am Schwanz gepackt wurde und aus dem Fenster flog, vergeblich versuchte, Halt zu finden, überall abrutschte und schrie, schrie so laut sie konnte, wissend, dass absolut nichts und niemand sie retten könnte, im Flug erfror.

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AURELIUS GLASENAPP - DIE GEFAHR, INNERLICH ZU VERÖDEN, IST NATÜRLICH SEHR GROSS

AURELIUS GLASENAPP Die Gefahr, innerlich zu veröden, ist natürlich sehr groß, und da versuchen wir schon sehr frühzeitig etwas gegenzusteuern. Deshalb arbeiten wir jetzt bei uns an der Trainingseinheit „Zwischenmenschliche Begegnung“. Das kann ein Lesezirkel sein, eine Klettergruppe, Actionpainting oder auch Diskotanz, oder dass man sich mal mit dem anderen Geschlecht befasst, das andere Geschlecht auch mal zum Essen einlädt und dann nach einem anregenden Glas Wein auch durchaus den Akt vollzieht, das baut Spannungen ab und macht durchlässig für Neues. Wir haben in unserer Firma jetzt ein zweigleisiges Programm neben dem weitreichenden Sportangebot, und das heißt „Abenteuer Kultur“ – also Bezug aufbauen zum inneren Kern unserer Seelen, unserem Verlangen, unseren verborgenen Ressourcen, ich zum Beispiel schreibe Gedichte und tanze abends in der Musicalgruppe. Karl und ich arbeiten seit zwei Jahren an einem Musical, das wir hier gemeinsam mit der Belegschaft einstudieren und das wir dann im nächsten Sommer auf einer gemeinsamen viertägigen Surftour im Pazifischen Ozean der Geschäftsleitung vorführen wollen, wir haben Research betrieben und festgestellt, dass eines der schwerwiegenden Probleme im Umgang mit Kultur heute darin liegt, dass der Kunde sie nicht annimmt, meist, weil eine zu lange Vorbereitungsphase notwendig wäre, um Kultur in welcher Darreichungsform auch immer so weit zu durchdringen, dass sich auch Luststeigerung oder Erkenntnis einstellt. Tiere als Hauptdarsteller sind sehr beliebt, das hat unsere interne Studie ergeben, klar verständliche Handlungsmuster in erfrischend frechwitzigen Dialogen dargeboten, die die Abgründe des Menschsein auf das Tierreich übertragen, nicht zu tagesaktuell sind, politisch keiner eindeutigen Gruppierung zuzuordnen sind und Trost spenden, ansprechende Farbgebung und eine leicht zugängliche humorvolle Prosa mit Tiefgang, die auch auf die verwirrenden Widersprüche zwischen Mann und Frau hinweist, die sich wohl niemals nahe sein werden, und das alles mit ausgefallenen Kostümen und ohne den erhobenen Zeigefinger, eher einem augenzwinkernden Fingerschnippen, charmant bestechenden Special Effects und Musik, bei der jeder mitgehen kann, und äußerlich ansprechenden Schauspielern mit solider handwerklicher Ausbildung und einem leichten Einschlag ins Exzentrische, bisweilen Flippig-Punkige. Krisen, die ein Drama aufwirft, sollten auch in einem überschaubaren Rahmen gelöst werden. Wir haben über einen ausgefeilten Fragebogen und dreimonatiger firmenweiter Researchphase herausgefunden, dass 47 Prozent der Befragten gerne die Geschichte einer verlorengegangenen Robbe sehen würden, die nach einer aufrüttelnden Reise durch den gesamten Ozean zu sich selbst findet, und das alles getanzt in weinroter Farbgebung, wobei die Tanzbewegungen narrativ und nicht abstrakt sein sollten. Dabei sollte die Musik aus dem Bereich der Popmusik stammen, aber von einem Streicherensemble eingespielt werden, die Songs sollten aber einen klaren Wiedererkennungseffekt haben und den Zuschauer in positiver Weise an seine Jugendjahre erinnern. Mein Musical trägt den zusammengetragenen Ergebnissen des von Karl ausgearbeiteten Fragebogens Rechnung und verlegt seine Handlung im ersten Akt auf eine Gruppe Seelöwen in der Antarktis, die in einer sehr poetischen Sprache über das Menschsein an sich singen und tanzen. Der zweite Akt spielt auf Rollschuhen, der dritte Akt spielt in Nepal, wo die Hauptfigur, eine Robbe am Meeresgrund, ... zu sich selbst findet ... und das alles mit authentischer Indiomusik und einem Panflötenchor unterlegt, wozu ich eine passende Choreografie ausgearbeitet habe, im Kern eine Gruppe Eisbären auf Schlittschuhen, die über politische Themen diskutieren, parteiübergreifend und lösungsorientiert und in ihrer Diskussion das betrachtete Thema von allen Seiten ausgewogen beleuchten, sie haben Probleme mit dem anderen Geschlecht, und die lösen sie bis zum fünften Akt, der vierte Akt spielt dann wieder in Düsseldorf, im Büro, wo die verlorengegangene Robbe alles, was sie auf ihrer Reise gelernt hat, auch sofort praktisch umsetzen kann, denn Denken ist Handeln, das ist unser wichtigstes Motto, was nützen Erfahrungen, wenn ich sie nicht nutzbar machen kann? Nichts. Ich brauche ein Konzept, ein Programm, wie ich das, was ich erlebe, sofort in einen Reifeprozess eingliedern kann, der auch von außen wahrgenommen wird. Menschliche Beziehungen können mir nur dann nützlich sein, wenn ich sie auch nutzbar mache. Ich fahre auch gern Rad und beobachte dabei brütende Vögel. Die verlorene Robbe wird wieder ins Team integriert und hat sehr gute Abschlüsse, wichtig aber: Sie hat ihre Reise genutzt, um Mensch zu werden, und bringt dies nun auch sehr gut rüber. Kultur bedeutet auch, das Denken noch mal neu auszurichten, und das kann hilfreich sein, das ist nämlich wissenschaftlich erwiesen, dass eine gewisse Diffusion das Hirn so anregt, dass es zu völlig unkonventionellen Problemlösungen kommt, wenn es faktisch und analytisch kein Weiterkommen mehr gibt, das ist letztlich auch der Mehrwert von Kultur, sie bringt uns auf andere Gedanken, sie schafft Ausgleich, wenn Kultur gut gemacht ist, erfüllt sie einen ähnlich guten Zweck wie Sport: Hör zu, krankes Kind, Sternseele Honigtrinker singt im Frühlingswind. Hör zu, krankes Kind, dein Stern leuchtet im Abendwind.


10
KARL SONNENSCHEIN - ABENTEUER KULTUR – EIN GEDICHT

KARL SONNENSCHEIN
Wer meine Freunde sind?
Flugtiere über dem Ozean verirrt,
Schiffbrüchige Schiffer ohne Schiff
Herdentiere, deren Hirte leuchtend irrt,
Der Nebel, das Schweigen, das schwarz gebrochene Licht,
Der sternlose Abendhimmel schweigsam schweigend blau am Firmament
Die Stille, die Kälte, die Nacht, der ewig unverstandne Wind.

Ich bin ein Abendstern, der die Welt verachtet, getrieben, umnachtet, mein Innerstes verloren, kalt starrend die Welt betrachtet.
Diese Abendstille schenk ich dir.
Blattwerk, weh noch einmal für mich.
Das Abendlicht lässt mich erschrecken.
Zittriges Laub, deine Nähe suche ich, die Angst, die Hast,
das stumme Verstehen.

Orangeknisternde Käferhaut, blüh noch einmal für mich.
Weis mir den Weg, der alle Winde blau studiert.
Gib mir Kraft.
Stern, leuchte schneller.
Der Wanderer hoffend trüb sein Haupt nun senket.
Verlassene Glut, ich schweige und richte.



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BERATERGESPRÄCH 2 - WIR HABEN WIRKLICH EIN TOLLES TEAM

Das Kind sitzt nun an der Stelle, wo Paul Niemand im Beratergespräch 1 gesessen hat und ist das Objekt dieser Auswertung. Die Situation löst sich auf, die Figuren kommen in ein seltsames Delirium: Aurelius Glasenapp und Karl Sonnenschein üben gleichzeitig ihre Performance als Robbe oder Meerestiere in ihrem Musical, machen seltsam anmutende Tanz-Bewegungen, von oben fallen Eiswürfel auf den Tisch, Paul Niemands Alptraum.


AURELIUS GLASENAPP Lass uns mal durchgehen, einfach entlang der Dimensionen, und überlegen, was können wir für ihn tun im Sinne von ihm da mehr Exposure geben, ihn da sozusagen weiter ins kalte Wasser schubsen.

KARL SONNENSCHEIN Er ist glücklich mit dem Team, er hat auch mehrmals gesagt, dass er es super findet, er hat sich auch explizit bedankt, dass er speziell in dieses Team kam. Ähm, was er sehr gut macht, ist das ganze Thema, existierendes Know-how von BCG zu nutzen und darauf aufzusatteln, also er steht da auf einem sehr soliden Fundament und nimmt auch die Unterlagen, die da sind, und das, was im Knowledge-Management da ist, das nimmt er sehr gut an.

PAUL NIEMAND Also, was mir gut gefällt, was ich hier lese, bei der Analytik und Hypothesen getriebenen Arbeit, dass er für einen Anfänger sehr schön dieses Big Picture hinbekommt, also den Helicopter View. Wie sieht das denn aus bei den Tiefenbohrungen jetzt, wo er die Analysen gemacht hat bei den Marktsachen. Sind wir da arithmetisch wasserdicht, wasserfest, gibt es da was?

AURELIUS GLASENAPP Ja, er ist halt noch relativ jung im Auftreten, und das wächst mit der Zeit. Das Selbstvertrauen wird mit der Zeit wachsen, also ich mache mir da grundsätzlich überhaupt keine Sorgen, im Gegenteil, es war mit Sicherheit für den Fall ein sehr guter Griff. Wenn wir auf die unteren Punkte hier kommen, was das Thema Team betrifft, ob jetzt interne, ich glaube, er hat auch Spaß mit dem Team, wir haben auch ein super Team.

KARL SONNENSCHEIN Ja, die kommen toll miteinander aus.

AURELIUS GLASENAPP Ja, das sieht man am Abendessen oder sonst irgendwie, das funktioniert wunderbar. Er hat sich da voll integriert ins Team, und ich glaube auch schon, dass ihm das Spaß macht, ja.

PAUL NIEMAND Dann würde ich sagen, reden wir wirklich auch noch mal explizit mit ihm, dass er sich wirklich ein bisschen mehr trauen, also auch in anderen Modulen durchaus aktiv beteiligen kann und sollte, aber das können wir heute Abend im Case Team Meeting mit ihm besprechen.

KARL SONNENSCHEIN Das können wir heute Abend. Die eine Maßnahme, die wir schon ergriffen haben, ist, weil er hat innerhalb des bestehenden Projekts ein eigenständiges Subteam, wenn du so willst, wo wir sagen, das führt er eigenverantwortlich auch für die Ergebnisse eigenverantwortlich, und man merkt, sobald er aus seiner Comfort Zone so ein bisschen rausgedrückt wird, dann geht es auch plötzlich. Es ist halt, wie das bei uns allen so ist, es dauert immer, da muss man manchmal ein bisschen mehr motivieren, dass es auch funktioniert.

PAUL NIEMAND Anschubsen.

KARL SONNENSCHEIN Ja, anschubsen.

AURELIUS GLASENAPP Ich seh auch von den letzten Wochen, dass es schon besser wird, teilweise auch ein bisschen zwangsweise herbeigeführt, dadurch dass er einfach plötzlich vor dem Kunden steht und was sagen muss.

PAUL NIEMAND Er hat doch die Sitzung mit 17 Leuten geführt oder wie war das 13 Leute?

AURELIUS GLASENAPP Er muss plötzlich, er musste plötzlich. Das Thema war, dass andere Kundentermine quer kamen, das heißt, er musste, er musste an die Front, und dann ging’s auch plötzlich.

KARL SONNENSCHEIN Ja, und fischreihermäßig ist auch alles im grünen Bereich.

AURELIUS GLASENAPP Er hat verstanden, um was es geht, er kann das auch in den Gesamtzusammenhang einbetten, also diese typische Froschperspektive, die man häufig am Anfang sieht, die ist bei ihm nicht da, sondern er versteht, wie sich das alles ins Gesamtbett zusammenfügt.

PAUL NIEMAND Ja, dann dank ich euch sehr, dass ihr da alles zusammengetragen habt, und ich sag mal: Wollen wir dann das Feedback zusammen machen?

AURELIUS GLASENAPP Nee, jetzt auch mal vom Optical Point Of Aggression im Audiomotive Bereich seh ich gar keine Schwierigkeit.

PAUL NIEMAND Ja, das hab ich jetzt verstanden, also, machen wir einen Termin beim Case Meeting, wo wir ihn sozusagen noch mal auf Fronttauglichkeit und Out Of Area Compatibility hinweisen und dann eins zwei Fit Trainings anbieten, denn ansonsten ist er ja ein guter Kämpfer.

AURELIUS GLASENAPP Zielt und trifft.

KARL SONNENSCHEIN Eines unser besten Schlachtschiffe, ich sag mal, nur in der Navigation n bisschen abenteuerlustiger, dann wärn wir alle da, wo wir hinwollen.

PAUL NIEMAND Ja, schön, dann machen wir einen Termin und

KARL SONNENSCHEIN Wollen wir noch alle zum Squash heute?
Kurze Pause.

AURELIUS GLASENAPP Ähm, ich muss also noch ganz ganz viel

PAUL NIEMAND Ja, Außentermin heute, Case Meeting nach dem Case Meeting, sozusagen internes Case Meeting, darf keiner was von wissen, aber euch kann ichs ja mal sagen, also nee sorry

KARL SONNENSCHEIN Aach, nur zwei, drei Stunden Squash, die Arbeit können wir doch mitnehmen.

AURELIUS GLASENAPP Ähm ja, also, weißt du, ich

PAUL NIEMAND Ja, also, du kannst doch

KARL SONNENSCHEIN Ja, das wäre doch schön, wir beide, du und ich, hmm?

PAUL NIEMAND Ja, das fänd ich jetzt auch schön.

AURELIUS GLASENAPP Also ich

KARL SONNENSCHEIN Na, los, zwei, drei Stunden Squash, anschließend noch n bisschen Wasserski und Parashute Gliding, dabei können wir doch noch ganz schön den Debrief auswerten, anschließend noch ne Runde Bowlen und dann noch mal Parashute Gliding und noch ne Runde Extrem Inline Skating und dann noch mal den Debrief auswerten und noch ne Runde Squash und noch einmal den Fluss rauf- und runterschwimmen und dann noch n Rafting-Wochenende dranhängen und dann schon mal die Listen für den nächsten Tag durchgehen und immer wieder Parashute Gliding und dann auch noch mal ne Runde Schach einlegen oder Risiko oder Malefiz oder Mensch-Ärgere-Dich-Nicht und dabei schon mal die Telefonkonferenz vorbereiten und anschließend noch ne Runde Squash und Extreme Rafting und dabei auf Rollschuhen hier einmal die Wand hochklettern und dann ne Runde Schwimmen und dann zehnmal ins oberste Stockwerk auf einem Bein und dabei schon mal das Case Team Meeting vorbereiten und den Debrief auswerten und das Feedback unaufgefordert weiterleiten und die Sätze so strukturieren, dass Begeisterung aufflammt, und dann immer wieder richtig schön Parashute Gliding und noch n paar Gedichte schreiben und noch mal Mensch-Ärgere-Dich-Nicht und Mühle Schach und Extrem Canooing, Bungeespringen und Tarantella tanzen und die Hotellobby umstrukturieren und mit verbundenen Augen ein tragbares Office in einer Flughafenlounge aufbauen und schon mal die Listen für den nächsten Tag durchgehen und die FAZ korrekturlesen und dann noch mal Walken Klettern Singen Tanzen Squash Inline Skaten und Parashute Gliding und den Flieger nicht verpassen und im Taxi noch ne Runde Schlittschuhlaufen und anschließend mit dem Taxifahrer noch den Debrief auswerten und dabei noch ne Runde Bowlen und die Excel-Statistiken gegenchecken.



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PAUL NIEMAND - DELIRIUM

PAUL NIEMAND
Manchmal bin ich stundenlang weg, einfach weg, ich weiß nicht wo,
in der Firma, beim Meeting, ich komme nach Hause und verstecke mich hinter der Heizung oder lege mich neben das Bett auf den Boden, ich lese noch immer die Unterlagen, ich stehe meistens pünktlich auf, ich nehme die Bahn oder das Taxi, mein Auto kann ich nicht mehr finden, das steht da irgendwo, irgendwo ohne mich, ich weiß nicht, wo das ist, das fährt herum, ohne mich, sucht jetzt einen Parkplatz ohne mich, fährt und fährt und kommt nicht zur Ruhe, ich schaue niemanden mehr direkt an, ich schaue flüchtig an allem vorbei, ich sitze hier, arbeite und denke:

Das ist nicht mein Leben hier, aber ich lebe es trotzdem, ich lebe das hier für euch, damit es euch allen besser geht
und das andere Leben, das ich jetzt nicht leben kann, weil ich keine Zeit habe und dauernd die Landebahn verfehle, das lebe ich dann irgendwann anders, irgendwo anders, in mir, jetzt, gleichzeitig, in Gedanken, irgendwas, was auch immer,
das lebt irgendwo ohne mich, irgendwo liegt das ohne mich und lebt so vor sich hin, ohne dass ich ihm je begegnet bin, das fliegt an mir vorbei und schaut mich panisch an, weil es auf eine große Eisfläche zurast, das crasht in irgendeinen Wald rein und geht in Flammen auf, das bricht weg wie einer dieser Scheißaktienfonds von dem Schwein Tom, bei dem ich all mein Geld verloren habe.

Was habe ich denn die letzten Jahre gemacht? Ich weiß es nicht mehr, hatte ich eine Frau?, nein, hatte ich Kinder?, nein, Sex?, ab und an war da was, ich hab keine Erinnerung mehr, außer dass es schnell war und relativ aufwändig gerechnet auf den doch recht kurzen Moment des Höhepunkts,
Stille, leises Surren, kalt,
mein Fernsehapparat schaut so seltsam zu mir herüber, was hat der vor? Der will mir nahe kommen, der will, dass wir uns endlich richtig nahe kommen, er will Zuneigung, mein Fernseher will Liebe, mein Fernseher will meine Nähe, aber ich will nicht, ich will keine Nähe zu niemandem, der will mich anfassen, ich will aber nicht angefasst werden,

ich muss hier raus, ich muss weg, ich will abgeholt werden, was muss ich denn tun, damit ich hier endlich abgeholt werde? Alle abknallen, ja, vielleicht, vielleicht, als ich anfing, war das doch alles ein ganz anderes Leben hier, oder? ICH MUSS HIER RAUS ICH MUSS WEG DAS MUSS AUFHÖREN DAS MUSS AUFHÖREN DAS MUSS AUFHÖREN WEG WEG SCHNELL RAUS HIER WEG.

Stille.

Hier bin ich
Und hier löst sich vor meinen Augen die Welt auf
Was ich sehe ergibt keinen Sinn
Alles zerspringt in Einzelteile
Alles flieht in mir
Ich sehe Menschen die ängstlich vor mir wegrennen schreien und ich schieße einfach rein
Gesichter zerspringen
wunderschön endlich sind die weg
die sind endlich weg
keiner will die
keiner braucht die
niemand hat die je gebraucht
die können ruhig weg.

Ich spüre das Blut nicht, das Blut der Menschen, das mir am Hals herunterläuft,
in diesem Bankgebäude liegen nur noch Tote, massenweise, die schreien, jetzt schreien sie nicht mehr, ich fühle nichts, ich höre ihre Schreie, mir gefällt das, so wach war ich noch nie, so anwesend, so in der Welt, so im Augenblick, ich spüre das Blut, aus dem Kopf, der sich an meine Schulter lehnt, Stille jetzt, hmmm, alle tot, alle weg, ich laufe raus, da ist eine Frau an der Tür, ein Kind hält sich an ihr fest, der Pförtner läuft ihnen entgegen, will sie retten, ich höre ihn rufen, ich höre ihn atmen, Schuss, Schuss ins Bein, Schuss in den Rücken, Schuss in den Kopf, das Gehirn spritzt auf den Boden, irgendein Schatten regt sich, tot, eine Frau schreit, tot, jemand stellt mir ein Bein, tot, eine Kamera wird auf mich gerichtet, tot, alle weg, alle tot, alles still, ich still, ich bewege mich nicht, TARGET THE LOSER KILL KILL mein Lieblingsspiel – man sucht die Loser raus und knallt die alle ab, was der Markt nicht gebrauchen kann, kommt weg, TARGET THE LOSER KILL KILL ich kann mir dabei zusehen, wie ich die Loser durchs Einkaufszentrum jage, durch die Flughafenlounges, über die Schulhöfe und Bankgebäude, TARGET THE LOSER KILL KILL es gibt keine Gesellschaft, es gibt nur Individuen, jeder hat Angst, seinen verdammten Job zu verlieren, obwohl keiner seinen Job mag und abends keiner gern nach Hause geht, abends gehen die alle zu ihren Frauen und schmeißen die Katzen aus dem Fenster, die sie von ihren Schwiegermüttern zur Hochzeit geschenkt bekommen haben, der ganze Kanal ist voll von diesen festgefrorenen Katzen, überall, alles voll, überall fliegen Katzen aus den Mietshäusern aus allen Stockwerken, da, hören Sie jetzt? Hören Sie dieses Geräusch? Das ist der Planet Erde, der rast durchs leere kalte All, und seine Bewohner schmeißen unentwegt Katzen aus dem Fenster, und ein Gebrüll ist das, wenn alle voll Angst in ihrem Gesicht auf das Eis zufliegen, schreien, die Landebahn verfehlen, aufschlagen, zerschellen, noch bevor sie richtig geboren wurden, liegen bleiben, sich nicht mehr bewegen, schreien, ganz leise, ganz ganz leise, kaum hörbar, das alles höre ich jetzt, ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr, durch die Luft fliegen, aufschlagen, liegen bleiben und den Fernseher anschalten und dort nur Dauerwerbesendungen sehen, wo sie immer alle irgendwelche Bauchtrainer kaufen sollen oder Einschweißgeräte, mit denen man alles, was man besitzt, in Klarsichtfolie schweißen kann, oder Telefonsex oder Feudel, mit denen man absolut ALLES WEGWISCHEN kann,
London – Berlin – Budapest – Bremen – Bremerhaven – Kiel,
mein Enthusiasmus lässt nach, meine Energie,
ich spürte, wie ich langsam im Flug aus dem zwanzigsten Stockwerk unseres Bürogebäudes zu Eis gefror, alle Viere von mir gestreckt, panischer Gesichtsausdruck, wirre Panik, so flog ich Richtung Eis und kam neben den anderen Katzen auf dem Kanal zum Liegen, festgefroren, unter Eis, da lagen wir starr und starrten einander in die Augen, niemand sprach, auch hier hoffte jeder, er würde es noch irgendwie schaffen, wenigstens er, und da lagen wir, Tausende, rausgeschmissen, festgefroren im Eis, bewegungslos, zu nichts fähig, eine Statistik, die geschönt wurde, die, die nicht gebraucht wurden, festgefroren unter Eis.

Eine letzte Erinnerung, während ich langsam in Zeitlupe erfror:

Der Flur nachts.
Ich gehe als Letzter.
Die Räume atmen leise vor sich hin, alles wartet auf den nächsten Tag.
Der Geldstrom fließt weiter, ich höre das Rauschen, es ist ein leeres schnelles Rauschen, es ist eine schnelle Einsamkeit in diesen Räumen.

Wenn das Universum sich ganz allmählich zusammenzieht, mit einer Gleichgültigkeit durch die Leere rast und dich einfach mitreißt, ob du willst oder nicht, dieser ohrenbetäubende Lärm und dieser Riss zwischen mir und den Menschen und dem Planeten, der wieder zur Fläche wird, die einbricht, mir entgegenstürzt, dieser Schrei, allein durchs Universum zu stürzen, wissend, dass das Universum mich nicht bemerkt, weil es sich für nichts und niemanden interessiert, in eine schwarze leere Tiefe gerissen mit all den anderen, und niemand kann mich hören, und niemand kann mich sehen...



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KIND - JETZT WIRD ES STILL UM MICH HERUM

KIND Jetzt wird es still um mich herum
Ich sehe nichts mehr
Es ist dunkel
Nacht
Ich liege in meinem Zimmer
Hier ist niemand
Der Fernsehapparat blinkt rot auf
Die Minibar surrt
Soll ich mich noch ins Hotelprogramm einschalten
Soll ich noch ein paar Filme schauen
Als Ersatz
Ich bin einsam hier
Ich liege erschöpft auf meinem Bett
Meine Frau wo ist die jetzt?
Habe ich überhaupt eine Frau?
Ich weiß es nicht
Alles vergessen
Es ist so still hier
Mein Computer atmet leise
Er versteht mich
Mein Computer versteht mich
Ich verstehe mich selbst nicht
Aber mein Computer weiß genau wie ich mich verhalten soll
Das beruhigt mich in meiner Einsamkeit
Ja das beruhigt mich in der Leere die ich hier zur Verfügung stelle um das System am Laufen zu halten
Ich gebe euch mein Leben und ihr macht eine leere Stelle daraus
Eine Fühllosigkeit die durchs All rast das bin ich
Eine Abwesenheit die die Einsamkeit erträgt die Leere das Unerträgliche
Ich klage nicht an ich halte durch
Ich habe nichts mehr zu erwarten
Mein Weg ist schon verplant
Mich erwartet nichts mehr
Ich habe kein Leben mehr vor mir
Das Leben das vor mir liegt wurde schon tausendmal gelebt


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AURELIUS GLASENAPP - SELTSAM HIER UNTER EIS

AURELIUS GLASENAPP Seltsam, seltsam hier unter Eis... ich sehe meinen Wagen, wie er auf dem Parkdeck gegenüber einen Parkplatz sucht, er sucht und sucht und findet keinen, fährt immer wieder vor und zurück, und hoch und runter, seltsam, jetzt geht mein Auto einkaufen, gemeinsam mit meinem Fernseher, mein Fernseher kauft alles ein, was es gibt, Menschen, ganze Landstriche, ausgerottete Volksstämme, Leichenberge, verstümmelte kleine Kinder, glückliche Mädchen, die Versace-Hemden tragen und neben Kopierapparaten ihre Puma-Taschen abstellen, mein Fernseher kauft ganz viel Sonnenschein, und den zeigt er jetzt meinem Auto, und das Auto freut sich, Hand in Hand gehen sie zurück aufs Parkdeck und suchen weiter nach einem Parkplatz, das machen sie jeden Sonntag so, jeden Sonntag fahren mein Auto und mein Fernseher zusammen über das Parkdeck und suchen einen Parkplatz, und nie finden sie einen, sie finden Liebe im Shopping Mall, das macht sie glücklich, Liebe, Freiheit, unbegrenzte Möglichkeiten, Inspiration, Individualität, Wachstum, Sicherheit, all das finden sie im Shopping Mall und natürlich: den Sonnenschein. Weltfriede und Sonnenschein, das macht sie glücklich, sie sind glücklich, sehr sehr glücklich, mein Auto und mein Fernsehapparat genießen den Weltfrieden, sie kaufen ein paar DVDs und ein paar Smart Bombs, sie legen ein paar kleine Spielzeugpuppen in den Warenkorb, sie kaufen das alte Rom und ein paar Pornovideos und ein Actionfilm mit Arnie und ein paar antike Bräuche, Federschmuck und eine Recovery-Massage, sie kaufen sich ein paar Massengräber und ein paar Schuhe, einen neuen Klingelton fürs Handy und ein paar zerfetzte Gesichtshälften von zwei Supermodels aus Uganda, es ist alles sehr schön hier, sehr sehr schön, es gibt hier Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, wir Menschen stören nur den Fluss der Waren, wir haben zu viele Defekte, wir gehören hier nicht hin, die Welt, die wir geschaffen haben, ist gar nicht für uns, die haben wir für irgend jemand anderes gemacht, aber wen?, das wissen wir nicht? Vielleicht für die Zeitungen, die können darüber schreiben, wie schön alles ist, damit ihre Artikel zu den Anzeigen passen, für die sie gedruckt werden, ja, vielleicht haben wir diese Welt wirklich nur für das Fernsehen geschaffen, und das Fernsehen braucht uns nicht mehr, es redet auch ohne uns weiter, niemand merkt, ob wir da sind oder nicht, weil wir nicht gebraucht werden, die Welt, die wir geschaffen haben, braucht uns nicht, die lebt lieber ohne uns, sie zeigt uns von unserer besten Seite, sie zeigt uns so, wie wir nie waren, wir können gar nicht gemeint sein, denn all dies hat nichts mit uns zu tun, ach, ist das schön, mein Auto zu sehen, wie es glücklich durch die Fußgängerzone fährt und den Sonnenschein von den Plakatwänden pflückt, einkauft, überall, es ist glücklich, Dinge sind glücklich, Dinge können das Glück des Lebens annehmen, Menschen nicht, das ist ihr Fehler, die Welt, die wir gebaut haben, ist nicht für den Menschen gemeint, sie ist für etwas anderes gemeint, das Fernsehen vielleicht oder vielleicht für all die vielen schönen Überwachungskameras, die wir noch alle vor unserem gemeinsamen Tod überall haben anbringen lassen, die zeigen jetzt den reibungslosen Ablauf, alles so schön hier, alles, was stört, ist jetzt weg, alles Kranke rausgeschnitten, und die Kameras schauen auf die Welt und senden ihr Bild an meinen Fernseher, und der zeigt es meinem Auto, das ganz seelenruhig seine Kreise auf dem Parkdeck zieht, das Auto hat keine Eile, es kann auch zwei Jahrhunderte warten, bis es einen Parkplatz findet, das macht ihm gar nichts aus, vielleicht haben wir diese Welt wirklich nur für die Kameras gemacht, die ein Bild von uns entwerfen, das nichts mit uns zu tun hat, aber ein schönes Sendeformat liefert für all die schönen Fernseher oder für etwas ganz anderes, für etwas noch Schöneres?, vielleicht kommt ja bald etwas noch Schöneres, eines Tages wird etwas kommen, das wird noch viel schöner sein als das Fernsehen, vielleicht der Herr Jesus selbst und den kann mein Auto dann in den Warenkorb legen oder mein Fernseher kann ihn zum mächtigsten Mann der Welt machen, in der es dann gar keine Menschen mehr geben wird, sondern nur noch Dinge, und die Dinge werden alle glücklich sein und dem Herrn Jesus zujubeln und klatschen, und er wird die Welt befreien von allem Bösen, und er wird Licht schaffen im Reich der Finsternis, und alles wird hell erleuchtet sein, so dass es keinen Flecken mehr auf der Welt gibt, der zu dunkel ist für unsere Kameras und unsere Fernseher werden sehr glücklich sein, sehr sehr glücklich, und unsere Autos fahren herum und kaufen den Sonnenschein, singen Lieder über das Glück und die Freiheit und die Liebe, laufen Hand in Hand mit dem Herrn Jesus durch den Fernsehapparat und klatschen für den Weltfrieden, das wird so schön sein, so schön, so schön alles hier, das kann uns gar nicht gehören, nur die Dinge haben diese Schönheit verdient, die Menschen haben die Schönheit nicht verdient, denn sie erkennen sie ja gar nicht, sie erkennen ja gar nicht den Wert der Welt, die sie schaffen, die Menschen haben die Schönheit nicht verdient, sie fahren ja immer dran vorbei, die Autos nicht, die Autos halten an und nehmen sich Zeit und fahren mit dem Herrn Jesus durch den Fernseher und kaufen den Sonnenschein und singen leise von der Liebe, dem Glück, das es bedeutet, auf der Welt zu sein.

Schnee fällt, die Schauspieler sind während des Schlussmonologes erfroren, das Kind lehnt am Tisch neben den Akten wie der letzte Gast in einer Hotellounge und trinkt einen Whiskey.



 
 
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